Gott und die Welt

Gott und die Welt

 Ayatollah Beheschti

Gott und die Welt

Einstieg in eine Beweisführung

Fast alle philosophischen Abhandlungen widmen eines ihrer ersten Kapitel der Beweisführung Gottes. In den Schriften der Offenbarungen dagegen fehlt es an einer derartigen Auseinandersetzung mit dieser Materie. Es lassen sich kaum Stellen finden, die sich direkt mit der Beweisführung Gottes beschäftigen, als ob die Existenz Gottes eine Tatsache sei, die nicht erst nachgewiesen werden bräuchte!

A. J. Arberry[1] schreibt in seiner Veröffentlichung „Vernunft und Offenbarung im Islam“: „Griechenland zur Zeit Piatons war eine einzige Quelle von allerlei Legenden, Sagen und Überlieferungen, die alle die Existenz Gottes mit handfesten Argumenten nachgewiesen wissen wollten. Es war das erste Mal, dass der Mensch des Abendlandes sich auf der Suche nach seinem Schöpfer befand. Kein Autor des Alten Testaments hatte die Existenz Gottes je in Frage gestellt und sie als schwer zu durchdringende Materie betrachtet. Denn die Psyche des Semiten findet die Existenz seines Schöpfers in seiner Offenbarung wieder.“

So ähnlich verhält es sich auch mit den Schriften des Neuen Testaments. Aus den Awesta[2]-Fragmenten, die uns erhalten geblieben sind, ist zu ersehen, dass auch die frühen Perser es für unnötig hielten, die Existenz Gottes nachweisen zu müssen.

In der heiligen altindischen Schrift, die “Upanischaden“[3] genannt wird, gibt es Stellen, die sich mit der Frage nach dem Schöpfer und Ursprung beschäftigen. Was ist Ursache? Woher kommen wir? Wo und wodurch leben wir? Welchem Willen sind wir unterworfen?

„Oh ihr Gelehrten des Lahuti, existieren wir, dass wir auf verschiedenen Stufen leben?“ [4]

Aber all diese genannten Stellen beziehen sich mehr auf die Beschaffenheit des Ursprungs als auf die eigentliche Existenz Gottes, die durch die ganze Schrift hinweg als „Einheit des Seins“ oder gar als „Einheit des Seins und des Wesens“ beschrieben wird. Außerdem stellt die Schrift eher eine philosophisch-mystische Abhandlung dar, die von den Hindus als heilige Schrift verehrt wird. Viele indische Gelehrte, Mystiker und Philosophen sind von ihr beeinflusst worden.

[1] Arthur John Arberry (1905-1969) war ein anerkannter britischer Orientalist, der unter Anderem in Cambridge lehrte.

[2] Awesta wird das heilige Buch der auf Zarathustra zurückgeführten Religion des Zoroastrismus genannt.

[3] Die Upanischaden sind eine Sammlung philosophischer Schriften des Hinduismus.

[4] Upanischaden, 419

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